3 Monate Rechts-AStA: Die lange Liste des Versagens
von Alexander Krüger, Jennifer Lenzen und Josha Nitzsche
Nach über 25 Jahren regiert im Bonner AStA wieder der RCDS (Ring christlich demokratischer Studenten). Zusammen mit der U.L.F. (Unabhängige Liste der Fachschaften) und der Re(h)-Partei besitzen sie mit 30 von insgesamt 51 Stimmen eine erschreckende Mehrheit. Dadurch haben sie die Möglichkeit, sämtliche Anträge im Studierendenparlament durchzuwinken, wovon sie selbstverständlich auch schon ausreichend Gebrauch gemacht haben.
Schon nach wenigen Monaten feiert sich der neue AStA in einem 20-seitigen „Rechenschaftsbericht“ auf Kosten der Studierenden selbst. Aber wie sieht die Bilanz des RCDS-AStA wirklich aus?
Gleichberechtigung: abgeschafft! Bei seiner Amtseinführung hat der neue AStA zunächst einmal das LesBiSchwule-Referat und das Referat für Integration abgeschafft. Das LesBiSchwule-Referat hat in den Augen aller Hochschulgruppen in der Vergangenheit gute Arbeit geleistet und war die einzige Stelle an der Uni Bonn, an die sich Homosexuelle bei Diskriminierung wenden konnten. Im neuen „Gleichstellungsreferat“ (ehemals Gleichstellungsreferat und LesBiSchwulen-Referat), arbeiten zwar zwei ehemalige MitarbeiterInnen des LesBiSchwulen-Referates sehr engagiert weiter, die Leistung der RCDS-Referentin bestand in den letzten zwei Monaten jedoch ausschließlich darin, die E-Mails ihrer Mitarbeiterinnen zu kontrollieren und ein Emma-Abo zu kündigen.
Politische Bildung und Ökologie: abgeschafft! Auch die Referate für politische Bildung und Ökologie hat der RCDS abgeschafft. Damit nimmt der AStA eine seiner gesetzlichen und elementaren Aufgaben, die politische Bildung unter Studierenden zu fördern, nicht mehr wahr.
Hetze gegen den Bildungsstreik! Deutschlandweit sind am 17. Juni 270.000 SchülerInnen und Studierende auf die Straße gegangen, allein in Bonn waren es 4000. In den Medien wurde dadurch endlich einmal wieder über die Bedingungen in Schulen und Hochschulen berichtet – ein voller Erfolg! Bevor der neue AStA ins Amt kam, haben alle ASten des Landes einstimmig beschlossen, den Bildungsstreik zu unterstützen. Nur der RCDS-AStA diffamierte die Protestierenden als Extremisten und potentielle Gewalttäter. Natürlich kam es während der ganzen Woche, die der Bildungsstreik gedauert hat, in ganz Bonn nicht zu einer Gewalttat. Gewaltig ist allerdings der immense Glaubwürdigkeitsverlust, den der RCDS-AStA mit seiner Kampagne zu verantworten hat. Denn der Versuch seitens des „rechten“ AStA, die SchülerInnen und Studierenden so weit zu verschüchtern, dass sie ihrer Stimme keinen öffentlichen Ausdruck verleihen, zeigt wieder einmal, was dieser AStA von Meinungsfreiheit und Selbstbestimmung hält.
Studiengebühren! Die Auseinandersetzung mit Studiengebühren des neuen AStA beschränkte sich darauf, den Rektoratsbericht über deren Verwendung zu loben. In der BASTA hieß es dazu, Transparenz sei „essentiell für die Akzeptanz der Studienbeiträge“. Es geht dem AStA also nicht darum, dass wir, wenn wir schon Gebühren bezahlen müssen, ein Recht haben, zu wissen, was mit unserem Geld passiert, sondern Werbung für die sozialselektiven Gebühren zu machen.
Das neue Referat für Hochschulpolitik: Außenstelle des RCDS-Landesverband! Früher war Hochschulpolitik die Kernaufgabe des AStA. Im „HoPo-Referat“ hat der RCDS die Zahl der Mitarbeitenden von 6 auf 3 reduziert. Als Pressemitteilung gibt das neue Referat schon einmal eine Pressemitteilung des RCDS-Landesverband heraus und ersetzt nur „RCDS“ durch „AStA Bonn“. Eine ehrliche und starke Interessenvertretung sieht anders aus!
Mehr Service: Fehlanzeige! Der Ausbau des Service war das zentrale Wahlversprechen des RCDS. Allerdings wurde in zwei Monaten nicht eine weitere Beratung, nicht eine weitere Leistung für Euch geschaffen. Dafür wurde ein „Servicereferent“ neu eingeführt, der 120€ Aufwandsentschädigung im Monat kassiert.
RCDS bricht Wahlversprechen! „Wir werden ehrenamtlich für euch arbeiten“, tönte der RCDS noch in seiner Wahlkampfzeitung. Nun hat er die Aufwandsentschädigung gerade einmal von 140€ auf 120€ gesenkt. Dass trotzdem insgesamt 3240 Euro eingespart werden konnten, liegt an der Abschaffung von Referaten.
Neue SP-Mehrheit baut Demokratie ab! Bisher war es so, dass Finanzanträge im SP beschlossen wurden, das von alle Studieren gewählt ist und die Haushaltshoheit hat. Der RCDS-AStA ermöglicht es nun, dass Fachschaftsgelder, die über ihre regulären Mittel hinausgehen („besondere Fachschaftsgelder“), nicht mehr im SP beantragen müssen. Diese Anträge werden jetzt durch das Fachschaftenreferat bearbeitet, das ausschließlich von der ULF besetzt ist. Der Hintergrund hierbei: Ein Antrag einer Fachschaft wurde abgelehnt, weil in dieser ein offener Rechtsextremist mitarbeitet. Der RCDS spricht vom „politischen Gängeln“ der Fachschaften und beschneidet im Gegenzug die Kompetenzen des demokratisch gewählten Studierendenparlaments.
Keine überregionale Interessenvertretung! Um den einzelnen ASten auch bundesweit eine Stimme und Gehör zu verschaffen, haben sich viele Verfasste Studierendenschaften zum fzs zusammengeschlossen. Weil man dort gegen Studiengebühren und für Gleichstellung ist, ist der neue AStA hier ausgetreten. Auch das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren und das Büro für Studienplatztausch müssen nun ohne den AStA Bonn auskommen. Damit erteilt der RCDS-ULF-AStA jeder Form einer überregionalen Zusammenarbeit eine klare Abfuhr.
Neue Basta ohne jeden Informationsgehalt! Dank der neugestalteten „Zeitung vom [sic!] Bonner AStA“ ist jeder Student ausreichend mit Nullinformationen versorgt. Neben sehr viel freier Fläche und ganzseitigen Symbolbildern findet man lediglich langweilige Artikel über den Hofgarten oder das Mensaessen. Daneben wirft sie mit Beleidigungen wie „Penner“ um sich.
Beitragssenkung rein symbolisch! Außerdem konnte der RCDS zusammen mit der ULF die Senkung des Sozialbeitrages für das kommende Semester um 0,80 € durchsetzen. Dies dürfte viele Studierende erfreuen, da sie jeden Cent angesichts der 500€ Studiengebühren gut gebrauchen können – denn das macht immerhin eine Ersparnis von 1/625 aus. Danke! Verschwiegen wird natürlich, dass dies nur möglich war weil die alten ASten zu große Rücklagen gebildet haben, und das obwohl Ihnen immer verschwenderischer Umgang vorgeworfen wurde.
Übrigens: Der RCDS brüstet sich mit 10.000€, die er mehr für studentische Kulturgruppen zur Verfügung stellen will. Dies hat er ermöglicht, in dem er einen Plan des alten AStA umgesetzt hat, den er bislang immer blockiert hat.